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Hinter den Kulissen: Interview mit Marc Schneider

20.01.2020 - 12:03

Streckenchef Marc Schneider sagt, wo es lang geht. Wie entsteht so eine Strecke? Was sind die Highlights und warum geht es eigentlich nicht ohne Asphalt? Das verrät Marc Schneider im Interview.

Warum sollte man die BIKE Transalp 2020 nicht verpassen? Weil die Faszination, mit dem Bike die Berge zu überwinden, ungebrochen ist. Und in der 2020er Auflage findet sich dieser Transalp-Gedanke ganz besonders wieder. Das Erlebnis ist aber nicht nur bergsportlich, sondern auch sozial sehr besonders. Es ist schön zu sehen, dass sich Fremde aus aller Welt bereits nach dem ersten Tag wie Freunde behandeln.

Du sprichst von einer „Reise ins Unbekannte“. Auch nach 22 Jahren hast du es geschafft, neue und weniger bekannte Wege zu finden. Wie kann man sich das vorstellen: Steigt ihr einfach aufs Bike und sucht nach neuen Trails oder passiert das eher am Computer? Wir durchforsten alle Quellen: Karten, GPS-Portale, Tourenportale der Etappenorte, und sprechen natürlich mit Locals. Manchmal gehen die sogar mit uns auf Tour, um uns neue Routen zu zeigen. Das macht richtig Spaß, weil man mit den Leuten gleich in sehr engen Kontakt kommt. Dazu gibt es einen Bestand aus alten Transalp-Routen, die wir als Basis einbauen und hier und da variieren. Manchmal ziehen wir aber auch auf Kartenbasis einfach ins Abenteuer. Wie dieses Jahr am Passo Mortirolo auf der Suche nach einer Verbindung nach Aprica. Der Weg war wunderbar - für Wanderer! Wir haben fast nur geschoben…

Die neue Route soll wild und wunderschön zugleich sein. Kannst du ein paar Highlights nennen? Der Weg oberhalb von Livigno ins Valle delle Mine ist episch, man schwebt weit über der Baumgrenze immer über den Dingen. Oder der Passo delle Alpe mit der Abfahrt ins Val di Rezzalo – erst ein hochalpiner Pfad, dann verwegene Almwege gefolgt von kleinen Weilern mit urigen Hütten, das alles in Mitten einer gewaltigen Bergwelt. Noch ein Highlight: die Forcella di Montozzo, der höchste Punkt auf 2613 Metern, ein rauer Bergweg, der am türkis leuchtenden Lago di Pian Palu endet. Und zuletzt das Gardasee-Hinterland auf Etappe 7. Den Tremalzo kennt jeder. Aber nur wenige kennen den Weg vom Lago d’Idro hinauf. Eine extravagante Szene auf alten, groben Militärwegen, die ganz oben an den Felstürmen der Gardaseeberge vorbeiführen.

Viele Trails sind rau und ursprünglicher, heißt das auch besonders anspruchsvoll? Bei der Bewertung der Schwierigkeit taucht oft die Singletrail-Skala auf, die aber nicht immer den Nagel auf den Kopf trifft. Wir sind in einer Region, in der die Wege eben nicht für die große Forstwirtschaft planiert und die Pfade nicht immer für Biker angelegt sind. Über alte Forst- und Almwege schrubbt der Opa seinen alten Panda 4x4 halt noch auf seine Almhütte hinauf, das Geläuf kann aber auch sehr holprig und mit Rollschotter versetzt sein – teils kniffliger zu fahren als mancher Trail. Das gleiche gilt für Bergpfade, auf denen es auch holpert, auch wenn sie von der Anlage und Steilheit gar nicht so anspruchsvoll sind. „Rau und ursprünglich“ bedeutet also nicht ohne weiteres „anspruchsvoll und schwer“, sondern eher unkomfortabel und Federungs-intensiv. Echtes Mountainbiken in den Alpen halt!

Die Königsetappe von Aprica nach Peio: Was macht sie so königlich? Sie hat die meisten Höhenmeter und überwindet den höchsten Punkt. Zudem ist die Abfahrt von der Forcella di Montozzo auf einem alten Bergweg eben rau und ursprünglich wie oben beschrieben und trifft den Transalp-Gedanken in besonderem Maße. Zumal man das Bike die letzten Meter zur Forcella hinauf schieben muss. Das ist nie der ausdrückliche Wunsch des Streckenplaners, aber es ist eine alpine Gegebenheit, mit der man bei einer Transalp klarkommen muss.

Die Frage nach dem Asphaltanteil taucht immer mal wieder auf: Geht es nicht mit weniger Asphalt? Wichtig ist zu differenzieren zwischen dem Asphaltanteil im Flachen und bergauf und dem Asphaltanteil bergab. Wenn man das trennt, sieht die Welt schon ganz anders aus. In den Alpen sind mittlerweile bis in die Höhe der Almen viele Wege asphaltiert. Das ist eine Gegebenheit, die man so hinnehmen muss. Wenn eine Biketour in den Alpen wie folgt aussieht, meckert niemand: Start im Tal zunächst auf Straßen, dann auf Seitenstraßen und asphaltierten Wegen, später auf Schotter bis zum höchsten Punkt und die Abfahrt auf Trails, Schotter- und Almwegen bis man wieder auf Asphalt kommt. Die Asphalt-Statistik ist zweitrangig, wenn die Mischung und somit das Erlebnis stimmt. Oder anders gesagt: Um mal voran oder bergauf zu kommen, ist Asphalt auch bei der BIKE Transalp okay.

Seit 2019 sind auch Einzelfahrer zugelassen. Verändert das den Charakter des Rennens? Ich finde, dass sich die Einzelstarter 2019 problemlos ins Feld der Teamfahrer eingefügt haben und sich deshalb der Charakter des Rennens nicht verändert hat. Es bilden sich sowieso Grüppchen, die miteinander fahren, unabhängig vom Status als Einzel- oder Teamfahrer.

Dein persönlicher Lieblingsplatz in den Alpen? Das Sarntal in Südtirol. Das ist so schön bodenständig und zum Glück vom großen Tourismus verschont geblieben. War übrigens Etappenort der BIKE Transalp 2014.

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