Termin 16. - 22.07.2017

20 Jahre Transalp – Teil 5: Reine Männersache? Von wegen!

Vor zwanzig Jahren nahmen 500 Teilnehmer die Herausforderung an, auf ihren Mountainbikes die Alpen zu überqueren. Der Großteil davon waren männlich. Es gab aber auch einige Mixed-Teams und weniger als eine Handvoll Frauen-Duos, von denen es allerdings nur eines bis ins Ziel schaffte: SCOTT-Testemonial Karen Eller, die gemeinsam mit Tina Stör das Abenteuer meisterte.


Karen Eller hat drei Mal die Transalp gewonnen

In unserem Interview erinnert sich die zweifache Mutter, die bei insgesamt fünf Starts drei Mal die Transalp gewinnen konnte und mittlerweile die BIKE Women Camps mitorganisiert, an die Anfangszeiten des Rennens zurück.

BIKE-TRANSALP.DE: Wie kam es eigentlich dazu, dass Du 1998 die erste Transalp mitgefahren bist?

Karen Eller: Ich kannte Uli Stanciu durch meine Mitarbeit im Fototeam der BIKE gut. Er hat mir viel von seiner Vision erzählt. Irgendwann hat er mich gefragt, ob ich nicht Lust hätte, mit ihm und Wolfgang Renner eine Transalp-Route abzufahren und zu sehen, ob die Strecke für ein Rennen taugt.

So bin ich mit den beiden älteren Herrschaften - ich war damals 30 - eine Woche von Mittenwald bis nach Riva gefahren.

Wer die beiden kennt, weiß, dass ich da lustige, aber auch nicht so lustige Momente hatte, gerade wenn das von einem Paraglider ausgeliehene GPS-Gerät mal wieder nicht so funktionierte wie Uli es wollte.

Als wir in Riva ankamen, war ich super fertig, aber habe gedacht, dass ich das gerne noch einmal auf Zeit fahren würde. Eine Freundin von mir, die eher von Strassenmarathons wie Trondheim-Oslo usw. kommt, war gleich Feuer und Flamme. Und da haben wir uns für die Transalp angemeldet.

Hast Du dich damals als „Exotin“ im vermeintlichen Männersport gefühlt?

Nein. Ich bin ja schon einige Jahre Mountainbike-Marathons wie Swiss Bike, Dolomiti usw. gefahren. Da gab es immer schon ein Damenfeld.

Exoten waren wir also nicht, aber keiner wußte, wie es sich anfühlt, acht Tage lang jeden Tag einen Marathon zu fahren. Männer nicht und Frauen eben auch nicht. Es gab keine Erfahrungswerte.

Was sind Deine Highlights, an die Du Dich noch zurückerinnerst?

Das ist zum einen die Zieleinfahrt bei der Mixed Wertung oder der Etappensieg in der Mixed-Wertung in Kaltern nach einem brutalen Kampf gegen das andere Team.

Dann war da noch der Stress mit einer Partnerin, wo wir komplett zerstritten auseinander gegangen sind.

Und der dritte Transalp Sieg! Ich kann mich zwar kaum an Highlights auf der Strecke zurückerinnern, aber die Pizza in Naturns ist im Gedächtnis geblieben.

Was hat sich seither am meisten bei der Transalp verändert?

In den ersten Jahren war es ein wahnsinnig familiäres Event; jeder hat jedem auf der Strecke geholfen, abends wurde am Bus gemeinsam gegrillt - mit allen Beteiligten wie Betreuern, Trainern, Teams, Masseuren und Veranstaltern; und am Ende mega gefeiert.

Heute ist es ein knallhartes Rennen, zumindest im vorderen Feld. Da geht es um Platzierung, Sekunden und Minuten.

Inwiefern hat die Transalp den MTB-Sport verändert bzw. entwickelt?

Es war ein komplett neues Format, ganz anders als ein eintägiges Langstreckenrennen. Es kommt nicht nur auf das Training an, sondern auch auf die Taktik. Und ein zäher Kopf, der sich quälen und Schmerzen ertragen kann, zählt hier auch mit.

Auch heute verdient Karen ihr Geld wie vor 20 Jahren: als Fotomodell

Denkst Du manchmal darüber nach, nochmal eine Transalp mitzufahren?

Nein! Ich glaube auch, mein Freund Holger würde das nicht mehr mitmachen: den mehrmonatigen Trainingsdruck, die Anspannung, den Ehrgeiz.

Ich habe dreimal ganz oben und einmal halb oben gestanden. Mehr kann ich da nicht erreichen. Aber ich würde sehr gerne einmal mit Holger nur so zum Spaß mit Rucksack über die Alpen fahren, auf der ursprünglichen Strecke der Transalp.

Last but not least: Warum sollten Frauen unbedingt an der Transalp teilnehmen?

Es ist eine tolle Erfahrung, im Team zu starten und im Team anzukommen, egal ob als Frau oder Mann. Frauen sind vielleicht etwas skeptischer, ob sie das mit einer anderen Frau auch schaffen, fühlen sich vielleicht mit ihrem Mann sicherer und beschützter. Aber es verbindet sehr.

Ich bin auch im Mixed-Team gestartet. Das würde ich nie wieder tun. Mein Partner war zwar super und ganz fürsorglich, aber Männer sind einfach meistens auf diesem Niveau eine Spur schneller und kräftiger und erholen sich schneller.