Termin 16. - 22.07.2017

20 Jahre Transalp – Teil 4: Ein Mann, ein Bike, ein Wille

Im vierten Teil unserer Serie 20 Jahre Transalp blicken wir 15 Jahre zurück. Damals machte sich ein Amerikaner unsterblich, als er als Erster mit Handicap die Alpen überquerte.

Es gibt Menschen, die geben niemals auf. Selbst wenn sie vor einer vermeintlich unüberwindbaren Hürde stehen. So ein Mensch ist Brett Wolfe.

Und die Hürde, die er sich selbst auferlegte, war die Alpen-Überquerung im Rahmen der BIKE Transalp 2002 - mit nur einem Bein.

Zwölf Jahre zuvor hatte Wolfe bei einem schweren Motorradunfall sein rechtes Bein verloren. Sein Leben verdankte er nur seinem durchtrainierten Körper. Ein Schicksalsschlag, der ihn nachdenklich stimmte und erkennen ließ, wie wertvoll das eigene Leben doch ist.

“Ich wollte alle Dinge, die ich künftig tue, nur noch mit voller Konzentration angehen”, erklärte er damals im Interview mit der BIKE. Mitleid, lamentieren, sich zurückziehen, dafür hatte der passionierte Biker keine Zeit. Binnen weniger Monate (8!) kämpfte er sich wieder in den Sattel zurück, bereit für neue Abenteuer. Ab jetzt eben mit nur einem Bein. Auf diese Weise gelang es ihm, das Unmögliche möglich zu machen.

Nach zahlreichen Rennen wie 24 Stunden Rennen, die La Ruta de los Conquistadores in Costa Rica sowie die Transrockies in Kanada stellte sich der damals 36-Jährige der Alpenüberquerung. Und bezwang in deren Verlauf sogar eine Passage, die selbst geübte Wanderer auf die Probe stellt.

Denn die dritte Transalp-Etappe galt als das Extremste, was es je gab. Wolfe sah sich mit einer Strecke konfrontiert, die mit ihrem losen Geröll schlicht nicht befahrbar war. Wie konnte er sein Bike über diese gewaltigen Gesteinswüsten wuchten? Sollte er wirklich antreten?

Der Biker startete und fand seine ganz eigene Methode, den stundenlangen Fußmarsch hoch zur St. Pöltener Hütte zu bewältigen. Mit eisernem Willen legte er den Stumpf des rechten Beines auf sein Oberrohr, wuchtete mit aller Kraft das Bike nach vorne, zog die Bremse und gleichzeitig das linke Bein nach. Stundenlang, immer weiter.

Stück für Stück kämpfte er sich mühsam den Berg hinauf. Und schaffte es. “Es war ein unbeschreibliches Gefühl, als die Leute in den Cafés neben der Zielgeraden aufstanden und applaudierten. Ich hatte all diese Hürden besiegt”, schwärmte er im Anschluss.

Der Rest des Rennens war dann ein Kinderspiel.

Brett Wolfe hat mit seiner Geschichte bewiesen, dass Alles möglich ist. Im Verlauf der letzten Jahre haben zahlreiche weitere Biker mit Handicap die Alpen überquert. Unvergessen bleibt aber die Leidenschaft und der eiserne Wille, mit dem sich Wolfe über die Alpen quälte.  

Fotos: Scott Markewitz