Termin 16. - 22.07.2017

20 Jahre Transalp – Teil 6: Sieger der Herzen

In unserem sechsten Teil der 20 Jahre Transalp-Serie dreht sich fast alles um das „Drama“, das die Österreicher Ekkehard Dörschlag und Siegfried Hochenwarter bei der Transalp-Erstauflage erlebt haben. Die beiden starken Mountainbiker führten das 250 Teams starke Feld souverän an, ehe ein Missgeschick die Träume vom Titel jäh zerplatzen ließ.


Ekkehard Dörschlag und Sigi Hochenwarter 1998 © privat

Für uns hat sich der gelernte Physiotherapeut Ekkehard Dörschlag, der 1998 und 1999 jeweils Zweiter wurde und später insgesamt vier Mal in Folge die Master-Wertung für sich entscheiden konnte, in einem Interview noch einmal zurückerinnert.

BIKE-Transalp.de: Ekkehard, wie war das damals. Ihr habt euch auf der sechsten Etappe komplett verfahren und dadurch den Sieg eingebüßt. Erzähl doch bitte...

Ekkehard Dörschlag: Wir sind ein komplett markierte Strecke gefahren, die in Form einer Achterschleife aufgebaut war. Dort wo die Strecke wieder sich selber kreuzt, haben wir eine Abzweigung verpasst. Da wir aber schnell wieder eine Markierung gesehen haben, waren wir der Meinung, auf dem richtigen Weg zu sein.

Erst nach 90km ist uns so richtig bewusst geworden, dass etwas nicht stimmt. Wir sind dann weiter gefahren und haben die Leute von hinten überholt. Die haben natürlich blöd geschaut, und uns ist das Lachen vergangen. Vor allem, weil wir keine Verpflegung mehr dabei hatten. Es wurde dann richtig hart, aber daraus lernt man.

Inwiefern?

Das Thema Verfahren war auch in den Jahren danach immer wieder ein Thema. Aber wir wussten so zumindest, dass wir bei den Kreuzungen höllisch aufpassen müssen. Einer war dann immer speziell mit der Aufgabe betraut.

Das hat sich später natürlich durch GPS geändert. Aber bis dahin hieß es immer: aufpassen, aufpassen und nochmal aufpassen

Hat sich dadurch auch die Transalp verändert?

Schon. Matthias Walkner, der Rallye Dakar-Motorrad-Star, hat in einem Interview mal gesagt, dass es mit GPS jeder könne.

Durch das GPS-System ist das aufmerksame Fahren bei der Transalp weggefallen. Du weißt einfach immer, wo du bist und findest leicht zurück auf den Weg. So hat man sich voll auf das Fahren konzentrieren können.

Nichtsdestotrotz ist durch unseren Fauxpas die Beschilderung noch besser geworden. Daraus hat Uli [Stanciu] gelernt.

Du erzählst das so locker; aber habt ihr nach mehr als 110km und über 4.100 Höhenmeter nicht in den Lenker gebissen?

Natürlich ist man angefressen. Es war ja bestimmt auch ein Transalp-Höhenmeterrekord. Wobei, ich war nicht so enttäuscht, denn die Presse war dennoch sehr positiv. KTM wurde ins Bild gerückt, und das war ja als Werksfahrer meine Aufgabe. Nicht zu gewinnen war aber schon ein Mix aus Pech und Unvermögen (lacht).

Im Rückblick, also um die zwei Jahre später, haben wir gemerkt, dass es so für uns sogar besser gewesen ist, als wenn wir gewonnen hätten.

Warum?

Wir sind damals die letzten beiden Etappen voll auf Angriff gefahren. Das hat uns sehr viel Anerkennung eingebracht. Wir haben bis zum Schluss gekämpft und gehofft.

Was hat sich neben dem Einsatz von GPS-Systemen noch bei der Transalp verändert?

Es ist auffällig wie professionell die ganze Organisation geworden ist. Da hat es schon einen richtigen Schub gegeben. Das ist beeindruckend.

Die Streckenauswahl war und ist immer noch ein Leckerbissen. Ich verfolge die Transalp jedes Jahr und denke mir immer wieder, das würd ich auch gerne fahren. Es ist immer ein toller Mix aus Bekanntem und Neuem.

Du musst es wissen, immerhin warst du fast zehnmal mit am Start. Was ist dir bei so vielen Teilnahmen in Erinnerung geblieben?

Spontan fällt mir 2006 ein, wie ich das erste Mal mit Heinz [Zörweg] die Masters-Kategorie gewonnen habe. Das war bis zum letzten Meter eine enge Kiste. Unsere beiden Familien waren als Betreuer mit. Das war eine unglaublich emotionale Woche. Meine Töchter sind jetzt erwachsen, aber wir reden immer noch darüber.

Es war ein fairer und beinharter Fight bis in Ziel von Limone. Wir hatten oben auf dem Tremalzo Pass eigentlich schon das Blaue Trikot verloren, sind dann aber volles Risiko in der Abfahrt gefahren und auf der Ziellinie zu den Tagessiegern aufgeschlossen und haben so den Titel gewonnen.

Und sonst?

Ein anderer Höhepunkt ist natürlich die Etappe über den Kaiserjägerweg, als wir damals zum zweiten Mal beim gleichen Checkpoint eingefahren sind.

Man erlebt so viele Dinge. Einmal habe ich einen Hund über den Haufen gefahren, da ist niemandem etwas passiert. Ein anderes Mal habe ich in Südtirol ein Huhn überfahren, das es zerlegt hat. Da haben mir Nachfahrende dann erzählt, dass der Bauer Zeter und Mordio geschrien hat.

Dazu kommen Plattfüße, Felgenbruch usw. Ohne das geht es nicht. Es macht es aber auch aus.

2010 war dann dein letzter Auftritt.

Da bin ich noch einmal Dritter geworden. Aber dann war die Luft raus. Auch im Team, wir wussten einfach, dass die Zeit gekommen war, aufzuhören – auch wenn es mich schon noch einmal jucken würde.

In diesem Jahr habe ich den Urlaub schon verplant, das Jubiläum wäre eigentlich schon eine Nummer gewesen. Vielleicht starte ich ja mit Sigi zum 25ten.

Bis es so weit ist, was ist dein Tipp für all die Transalp-Rookies?

Was bei jeder Transalp auffällt: die ersten beiden Etappen werden sehr schnell und nervös gefahren. Das ist auch verständlich, das ist ja auf der Straße ähnlich. Für nicht so routinierte Fahrer rächt sich das dann aber ab der Hälfte des Rennens.

Wenn man es also schafft, sich da raus zu halten und seinen eigenen Rhythmus zu finden, kann man hinten raus zehnmal mehr wieder gutmachen. Man glaubt das nicht, aber es stimmt.

Das Streckenstudium ist auch wichtig. Man sollte wissen, wo es für einen selbst schwierig wird. Bei mir war es immer das Idjoch auf der Ischgletappe, als es über 2.500 Meter ging. Darauf muss man sich einstellen.