Termin 16. - 22.07.2017

BIKE TRANSALP BLOG #4: Das richtige Bike!

Kurz bevor es losgeht, erzählt unser Blogger Dan Brün noch schnell, wie für ihn das perfekte BIKE Transalp-Bike aussehen muss! Während der Transalp wird Dan uns mit seinem Blog auf transalp-blog.de über das tägliche Geschehen und seine Erlebnisse auf dem Laufenden halten.

Das Scott Scale 900 RC: Allein die Optik macht das Rad schon schnell! © Daniel Brün

Seit dem Entschluss, bei der diesjährigen BIKE Transalp an den Start zu gehen, drehte sich erstmal wieder alles um das Material.

Ein Rundgang durch den Keller offenbarte zwar Vielfältigkeit, aber aufgrund längerer Wettkampf-Abstinenz kein Bike, was so richtig zu einem Etappenrennen über die Alpen passen wollte: Retro-Böcke, Freerider, 150mm Allmountain, Leichtbau-Starr-29er, Stahl-Singlespeed-MTB - alles tolle Räder für ihren speziellen Anwendungsbereich, aber eben nicht für ein Rennen über die Alpen.

Daher die ernüchternde Erkenntnis: das passende Rad ist nicht dabei, also muss ein neues her. Aber wie sollte das ideale Transalp-Bike für mich aussehen?

Hardtail? Fully? Schaltung?

Nach ausführlicher Streckenanalyse stand für meinen Teampartner und mich fest, dass wir mit Hardtails an den Start gehen. Es gibt auf allen Etappen lange Rampen, teilweise auf Asphalt oder einigermaßen befestigten Wegen, die förmlich nach Hardtail schreien.

Bergauf tut jedes Kilo zu viel und jedes bisschen Wippen weh. Bergab werden wir mangels Protektoren sowieso auf Sicherheit fahren. Da würde ein Fully natürlich mehr Fehler verzeihen. Aber nach unserer einhelligen Meinung würde es den bergauf-Vorteil eines Hardtails auf der Strecke nicht aufwiegen.

Da ich einen Großteil meiner Jahreskilometer auf einem starren Singlespeed-MTB zusammenfahre, bin ich ziemlich flexibel, was die Trittfrequenz angeht. Ich brauche keine ultrafeine Gangabstufung und benutze auch sonst bei Alpentouren nur selten den Rettungsring. Aus dem Grund, und weil ich das Umwerfer-Geklöter hasse wie die Pest, sollte es ein Einfach-Antrieb werden.

Die ganze Fuhre soll im Idealfall so um die 10kg wiegen und ohne wahnsinnigen Leichtbau-Daddelkram auskommen, über den man sich im Rennen ärgert.

Die Eckparameter sehen also wie folgt aus: Hardtail, 100mm Gabel, 1x11, maximal 10kg nackig, alpentaugliche Bremsanlage, zuverlässige Komponenten.

Das Transalp-Bike

Meine Wahl fiel auf ein Scott Scale 900 RC. Warum? Allein die Optik macht das Rad schon schnell.

Die Mischung aus Espresso und Zitrone setzt ein paar Watt mehr frei, sobald der Blick nach unten auf den Rahmen fällt, oder auf die launehebende, gelbe Zughülle für den Gabel-Lockout.

Ich weiß, nebensächlicher geht es eigentlich nicht. Aber mein Auge isst mit, und ich freue mich jedes mal, wenn ich den Bock anschaue.

Davon abgesehen erfüllt das Rad alle Punkte meiner Wunschliste, und zwar ausnahmslos:

Leicht, 1x11, solide Bremsen, leichte 29 Zoll Laufräder, kein Leichtbauwahnsinn. Der Rahmen ist im Wiegetritt steif, nichts schleift, und man hat das Gefühl, dass wirklich das letzte Quentchen Energie auf dem Trail landet.

Gleichzeitig bietet das Rad im Sitzen sehr viel Komfort, was der Rahmenkonstruktion (Flex in den Sitzstreben) und der Ritchey-Kombination aus Sattel und Sattelstütze zuzuschreiben ist.

Auf ruppigen, felsigen Trails und auf Schotter fühlt es sich an wie ein sehr straff abgestimmtes Racefully. Das ist anfangs gewöhnungsbedürftig und führte zu einigen verwirrten Stops, um den Reifendruck zu prüfen.

Die Laufruhe bergab ist auf jeden Fall der Hammer. Die Gabel kann mit einem linksseitig montierten Daumenhebel von offen auf straff und Lockout verstellt werden. Das nutze ich im welligen Gelände oft und gerne, ohne die Hände vom Lenker nehmen zu müssen.

Das Wichtigste aber: Das Scott ist mir in L auf den Leib geschnitten. Draufsetzen und sofort wohlfühlen!

Ich fahre das Bike mit 32x10-42. Das wird bei einigen bergauf-Passagen weh tun, aber das Gebolze bin ich vom Singlespeeden gewohnt.

Beim Sattel mache ich normalerweise keine Experimente. In 25 Jahren MTB-Sport habe ich den Flite getragen wie eine Zahnspange. Meine Anatomie hat sich in jungen Jahren geradezu um diesen Sattel herum entwickelt. Nach kurzer Skepsis gegenüber dem Ritchey-Sattel muss ich aber sagen: der passt auch, und ist nach ein paar Ausfahrten sogar noch deutlich komfortabler geworden!

Bei den Pedalen gilt das gleiche: Nach etlichen Eggbeater-, Speedplay- und sonstigen Experimenten bin ich immer wieder reumütig zu Schimanski zurückgekehrt. Da kommen XTR-Pedale dran und fertig ist die Laube. Da mein Teamkollege die Pedale auch fährt, kann man im Bedarfsfall auch mal das Rad tauschen.

Was ich vor der Transalp noch ändern werde, ist die Bereifung. Die verbauten Rocket Rons (mit Schlauch) wurden im Laufe der Vorbereitung im Teutoburger Wald abgeritten. Für die Transalp werde ich vorne einen Continental X-King und hinten einen Continental Race King aufziehen. Beide in der Protection-Variante, schlauchlos mit Milch montiert.

Und noch ein netter Nebeneffekt: Da Scott einer der Sponsoren der BIKE Transalp ist, wird Scott-Fahrern ein 1a-Service angeboten: ich kann das Rad im Zielort abgeben und bekomme es generalüberholt zurück!!! Hurra!

Ein Problem gibt es mit dem Bock aber doch noch: Ich kann es beim besten Willen nicht mehr auf das Material schieben, wenn es nicht so läuft ;)